Die Mauer, befreit von der Funktion, Architektur zu sein, aber noch nicht reine, Freie Skulptur, hat meine Fantasie immer beschäftigt. Schon die gedachte Funktion der chinesischen Mauer erklärt das Phänomen dieser ‚Mauer an sich’ nicht ausreichend.
Denn alle Mauern dieser Welt verweisen auf diese eine Mauer, als Grenze schlechthin, die den Tod linear definiert. Die Undurchdringlichkeit der Mauer ist nicht nur ein optisches Ereignis; ihr entspricht die Undurchdringbarkeit durch das Denken als atavistisches Erbe.
Erst im Jahrhundert der Luft -und Raumfahrt verwirklicht der Mensch die alte Traumprojektion, in der Engel die irdischen Grenzen überfliegen. Den alten Legenden folgt die Realität der Flugtechnik.
Das Bewusstsein von der Endlichkeit unseres Anschauungsvermögens, das sich in der Oberfläche der Mauer manifestiert, ist nicht Bewusstsein, welches der Klagemauer konfrontiert wird; - es ist das vom Licht erhellte Bewusstsein, frei von Trauer und frei von Schatten.
Ich möchte, dass alle Mauern dieser Welt Lichtmauern werden!
Heinz Mack
Bildhauer und Maler
*publiziert in ‚Mack-Skulpturen’ Econ Verlag Düsseldorf, Wien, 1986, S. 314
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