Firmengründer Sam Eyde wollte eigentlich Aluminium herstellen, aber dazu kam es erst viel später.
Eyde war fasziniert vom deutschen Elektrotechnik-Erfinder und Unternehmensgründer Werner von Siemens. 1902 erwarb Eyde die Nutzungsrechte am Wasserfall Rjukan im Bezirk Telemark, um die Naturkräfte zu nutzen. Hydro baute später das größte Wasserkraftwerk Europas, dann das größte der Welt.
Aluminium galt als einer der aufregendsten Werkstoffe der Zukunft. Aber wie sollte das Vormaterial von der Küste in die Berge Norwegens gelangen? Oder der Strom an die Küste?
Dünger aus Luft
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| DÜNGEMITTEL waren über Jahrzehnte das Hauptprodukt von Hydro. |
Eine Erfindung des Forschers Kristian Birkeland war der Start für ein anderes Kerngeschäft: Aus der Luft wurde mit Hilfe eines Lichtbogens Stickstoff gewonnen. So konnte Kunstdünger hergestellt werden, der den Anbau von Nahrungsmitteln in vielen Ländern entscheidend voran brachte. Eyde hatte versucht, die deutsche BASF für seinen Plan zu gewinnen, aber die Technik hatte sie nicht überzeugt. Die „Norsk Hydro-Elektrisk Kvælstofaktieselskab“ wurde vielmehr mit Kapital aus Frankreich und Schweden gegründet.
Später zwangen der technische Fortschritt und eine internationale Wirtschaftskrise Hydro dazu, sich mit einem anderen großen deutschen Unternehmen, der IG Farben, und einem britischen Mitbewerber zu verbünden. So kamen viele Hydro-Aktien für Jahre in deutschen Besitz.
2004 spaltete Hydro das Düngergeschäft ab. Unter dem Namen Yara ist es heute der weltgrößte Düngemittelkonzern.
Nazis, Sabotage und Leichtmetall
Hydro hatte noch immer Pläne, Aluminium zu erzeugen. Zum Projekt kam es aber erst unter Zwang im Zweiten Weltkrieg: Die deutsche Besatzungsmacht baute ein großes Leichtmetallwerk auf der Halbinsel Herøya bei Porsgrunn, um weiter aufzurüsten. Auch schweres Wasser zum Bau von Atombomben ließen die Nazis im besetzten Norwegen produzieren. Amerikanische Luftangriffe und norwegische Sabotage vereitelten beides.
Nach Befreiung und Kriegsende fielen die deutschen Hydro-Aktien an den norwegischen Staat. Hydro baute auf den Ruinen auf, expandierte mutig – und nahm den ersten Anlauf zum Leichtmetall, der glückte.
20 Kilogramm pro VW-Käfer
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| Für den VW KÄFER lieferte Hydro Magnesiumlegierungen - unser Einstieg in die Leichtmetallindustrie. |
In den 1950´er Jahren brachte Volkswagen den legendären „Käfer“ ins Rollen, und Hydro wurde ein Automobilzulieferer mit Magnesiumgusslegierungen: rund 20 Kilogramm je Fahrzeug. Von 1951 bis 1981 kaufte VW rund 60 % der Magnesiumproduktion von Hydro.
Bis 1990 hielt diese Partnerschaft an. Da immer mehr Automobilhersteller Magnesium verwendeten, baute Hydro das Geschäft aus, eröffnete 1975 einen ersten deutschen Standort, zum Magnesiumrecycling in Bottrop, und wurde weltweit führender Magnesiumanbieter. Doch unter dem Preisdruck enormer Billigkonkurrenz aus China gab Hydro 2007 alle Magnesiumaktivitäten ab oder auf – um sich auf Aluminium zu konzentrieren.
Weichenstellung 1963
Drei strategische Entscheidungen traf Hydro 1963: Die Düngemittelproduktion wurde vom elektrochemischen Verfahren auf ein petrochemisches umgestellt, ein Aluminiumwerk in Karmøy an der Westküste wurde gebaut, und mit fünf französischen Unternehmen begann eine Kooperation für mögliche Ölförderung aus den Böden der Nordsee.
Mit diesen Beschlüssen begann Hydro ein 40 Jahre fortlaufendes, immenses Wachstum. Es war wesentlich genährt von großen Erfolgen beim Bohren nach Öl und Gas – und es trug erheblich zum heute hohen Wohlstand Norwegens bei.
1986 erwirbt Hydro “Årdal og Sunndal Verk” (ÅSV) mit drei Aluminiumhütten und wird zum größten Aluminiumhersteller Norwegens. Die Wurzeln von ÅSV reichen bis 1915 zurück, als der Bau von Norwegens ältester Hütte in Høyanger begann.
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| INVESTIERT: Der 2007 eingeweihte Ofen zum Aluminium-Recycling in Neuss ist eine der vielen Investitionen von Hydro in Deutschland. |
2002 übernimmt Hydro von der E.ON die deutsche VAW aluminium AG mit einer damals 85-jährigen Geschichte und vielen deutschen Standorten. So steigt Hydro auf in die kleine Gruppe der international aktiven, integrierten Aluminiumkonzerne und wird die Nummer eins in Deutschland und Europa.
Fokus auf Aluminium
Für einige Jahre war Norsk Hydro als Mischkonzern sogar mit Schokoladenfabrikation und Lachszucht beschäftigt. „Mehr Fokus“ galt ab den frühen 1990´er Jahren. Diese Strategie hat Hydro vollendet. Alle Nebengeschäfte sind veräußert, und die hochprofitablen Öl- und Gasaktivitäten wurden am 1. Oktober 2007 mit dem größeren norwegischen Staatskonzern Statoil verschmolzen.
Eine Botschaft, die schon vom Firmengründer Sam Eyde hätte stammen können, bestimmt nun den Weg von Hydro: Aluminium ist, erneuerbar effizient, das Metall der Zukunft. Und unsere Zukunft liegt im Aluminium.