Hydro vollendet Metallkreislauf im Aluminium-Cluster Neuss

 

Gießereiarbeiter Markus Ahrentropp vor dem neuen Umschmelzofen und der Pumpe.

 

(Nov. 22, 2006) Eine Idee, eine Pumpe, ein paar unnachgiebige Ingenieure - so vollendet Hydro in Neuss den Metallkreislauf und stärkt den engen Verbund mit den Nachbar-Walzwerken in Neuss und Grevenbroich.

Das flüssige Metall wird aus dem Ofen (viereckiger Behälter) in den kreisförmigen Behälter gepumpt, wo der Folienabfall in den Turbulenzstrom eingefüllt wird und schmilzt, bevor er wieder dem Ofen zugeführt wird.

 

Die Gießerei im Rheinwerk Neuss von Hydro schmilzt nun jährlich 22.000 Tonnen Folienschrotte aus dem Werk Grevenbroich um. „Das macht ökologisch Sinn, und es hilft im Kostenkampf angesichts der hohen Strompreise, unsere Wettbewerbsfähigkeit zu stärken", sagt Werkleiter Bernhard Eich.

Hydro erzeugt in Deutschlands größter deutscher Aluminiumhütte in Neuss jährlich 224.000 Tonnen Flüssigmetall. Dagegen liefert die Gießerei des Werkes mittlerweile bereits 320.000 Tonnen Walzbarren an Alunorf nebenan, das dann Aluminumband an das Folienwalzwerk von Hydro in Grevenbroich liefert. Die Gießerei muss das Restmaterial zumeist als Metallmasseln teuer zukaufen. Um hier zu sparen, suchte ein Team von Ingenieuren um Projektleiter Michael Jordan, zuletzt Tag und Nacht, eine Lösung für den kostengünstigen, aber hochwertigen Folienschrott aus dem Hydro-Walzwerk in Grevenbroich.

Von der bis zu 6 Mikrometer hauchdünnen Folie, die Hydro aus Grevenbroich für Getränkeverbundkartons in viele Länder liefert, ließen sich Prozessüberbleibsel bisher kaum einschmelzen. Denn auf der großen Oberfläche der Folie wirkt eine dünne Oxidschicht wie eine Isolierung, außerdem hat zusammengepresste Folie eine Dichte, die wesentlich unter der von flüssigem Aluminium liegt. So schwamm Folienabfall im Schmelzbad zuoberst auf dem flüssigen Metall, viel Krätze entstand – und die dünne Folie verbrannte, statt zu schmelzen.

Die Wirbelpumpe funktioniert nach dem elektromagnetischen Prinzip. Das flüssige Metall wird aus dem Ofen in den Behälter für die Zugabe von Schrott geleitet.

 

Die Ingenieure in Neuss kamen auf die Idee, eine elektromagnetische Pumpe zu verwenden, die flüssiges Metall mit hoher Geschwindigkeit zirkulieren lässt. Das rotierende Metall erzeugt einen Wirbelstrom im Inneren der Pumpe, die daher „Vortex" (Wirbel) heißt.

Kommen die 40 x 40 Zentimeter großen, aus Folie zusammengepressten Blöcke in den Schmelzofen, presst die Schwerkraft den Folienabfall in den Wirbelstrom und unter die Oberfläche des Metalls, wo Turbulenzströmungen entstehen. Im rotierenden Metallstrom zersetzt sich der Folienblock und schmilzt perfekt.

Ein gutes Geschäft für beide Standorte: „Früher konnten wir nur dicke walzblanke Schrotte umschmelzen, und unsere Kunden mussten ihren Folienschrott bei unseren Konkurrenten einschmelzen lassen, die zudem altmodische Technologie verwendeten", erklärt Gießereileiter Ulrich Bollmann. „Jetzt benutzen wir vorhandene Anlagen auf neue Weise, können so die dünne Folie effektiv umschmelzen – und das lohnt sich für uns und für unsere Kollegen in Grevenbroich."