Es obliegt nun Økokrim, die rechtliche Beurteilung der Untersuchungsergebnisse vorzunehmen.
„Die Untersuchung hat ergeben, dass in den Jahren 2000 bis 2001 in Libyen Fehler gemacht wurden, die eine Verletzung des Regelwerkes von Hydro darstellen. Das ist bedauerlich, und wir müssen daraus unsere Lehren ziehen. Wir können keinerlei Regelverletzungen akzeptieren, daher nehmen wir diesen Vorfall äußerst ernst“, erklärt der Vorsitzende des Verwaltungsrats von Hydro Terje Vareberg.
„Der Verwaltungsrat ist zufrieden, dass die Untersuchung zeigt, das Hydro im Allgemeinen ein gutes ethisches Regelwerk und ein gutes Geschäftsgebaren an den Tag gelegt hat. Dieses Regelwerk war bereits im Jahr 2000 gut und ist seitdem weiter verbessert worden. Der Verwaltungsrat wird darauf achten, dass Regelwerk und Routinen durchgesehen werden, um herauszufinden, ob dennoch Verbesserungen möglich sind und um sicherzustellen, dass die Regeln eingehalten werden“, sagt er.
„Das Unternehmen wird alles in seiner Macht stehende tun um zu verhindern, dass sich derartige Fehler in Zukunft wiederholen“, so Vareberg.
Die Untersuchung wurde von den Anwaltskanzleien Wiersholm und Shearman & Sterling durchgeführt. Beauftragt waren sie vom Verwaltungsrat von Hydro, nachdem in Verbindung mit der Fusion der Erdöl- und Erdgassparte von Hydro mit Statoil und der Bildung des neuen Unternehmens StatoilHydro am 1. Oktober vorigen Jahres Fragen auftauchten, die sich auf die ehemaligen Aktivitäten von Hydro in Libyen bezogen. Die Untersuchung erfolgte unabhängig von, aber parallel zu einer entsprechenden Untersuchung durch StatoilHydro.
Das Ergebnis der Untersuchung wird auch den amerikanischen Behörden übergeben und dargelegt. „Hydro wartet nun auf die weitere Behandlung des Falls durch die respektiven Behörden und wird mit diesen weiterhin vollauf zusammenarbeiten“, so Vareberg.
Die Beraterverträge in allen Ländern, in denen Hydro früher im Erdölbereich tätig war – in Afrika, Südamerika, Europa und im Nahen Osten – sind untersucht worden. Insgesamt wurden 35,5 Millionen Dokumente zusammengetragen, mehr als 1,4 Millionen davon sind im Detail kontrolliert worden. Außerdem wurden Analysen der Rechnungslegung vorgenommen und mehr als 70 Interviews durchgeführt. Die Kosten der Untersuchung belaufen sich für Hydro auf mehr als 100 Millionen NOK (12,5 Millionen Euro).
Kritikwürdiges Verhalten in Libyen
Der Untersuchungsbericht belegt, dass das ethische Regelwerk von Hydro im Februar 2000, als das Unternehmen einen Beratervertrag schloss, der Unterstützung beim geplanten Verkauf des Libyen-Portfolios vorsah, nicht eingehalten wurde. Hydro hatte vor Beginn des Verkaufsprozesses einen früheren Vertrag mit demselben Berater als problematisch eingestuft. Der Verkaufsprozess wurde später abgebrochen.
„Auch wenn Hydro richtig handelte und die Übernahme von zwei attraktiven Lizenzen ablehnte, hätte nicht ein neuer Vertrag mit demselben Berater zwecks Unterstützung beim Verkauf geschlossen werden dürfen“, so Vareberg.
Die Zahlungen im Rahmen dieses Vertrages waren ein Teil der Zahlungen, auf die sich Hydro am 1. Oktober vorigen Jahres bezog und die vom Unternehmen für den Zeitraum 2000 bis 2001 auf 6,85 Millionen Dollar veranschlagt wurden. Die Untersuchungen haben ergeben, dass sich die Zahlungen im Rahmen verschiedener Verträge auf 7,4 Millionen Dollar belaufen haben.
Des Weiteren erfolgte eine Fehleinschätzung in Verbindung mit einer Zahlung in Höhe von 1,9 Millionen Dollar an den Betreiber auf einem der Felder in Libyen im Oktober 2000. Laut Untersuchungsbericht hätte Hydro verstehen müssen, dass diese Zahlung problematisch sein könnte.
„Wir müssen einräumen, dass bei der Hantierung des früheren Libyen-Portfolios von Hydro Fehleinschätzungen vorgekommen sind“, erklärt der Vorsitzende der Konzernleitung von Hydro Eivind Reiten.
„Diese Kritik müssen wir hinnehmen und sie dazu nutzen, uns weiter zu verbessern. Auch wenn der Bericht zeigt, dass die meisten schwierigen Fälle gut hantiert wurden und dass wir gute Systeme und Routinen haben, um derartige Fälle zu behandeln, müssen wir immer danach streben, noch besser zu werden. Das werden wir auch weiterhin tun“, so Reiten.
Der Untersuchungsbericht verweist auch auf Zahlungen an Repräsentanten der staatlichen National Oil Company (NOC), die in Betriebs- und Steuerungskomitees der Felder vertreten waren, an denen Hydro Anteile hielt. Auch wenn es sich hierbei um ein bestehendes System in Libyen handelte, das NOC kannte, fühlte Hydro sich nicht komfortabel im Hinblick auf diese Zahlungen. Forderungen von Hydro und anderen betroffenen Unternehmen führten dazu, dass NOC 2006 Richtlinien für die Zahlungen an Repräsentanten in derartigen Komitees veröffentlichte.
Andere Länder
Neben Libyen wurde auch der Einsatz von Beratern in zahlreichen anderen Ländern, in denen Hydro im Erdölgeschäft tätig war oder ein Engagement in Betracht zog, untersucht. Es handelt sich um Angola, Irak, Iran, Russland, Nigeria, Venezuela, Brasilien und die Elfenbeinküste sowie um Kurdistan. Der Untersuchungsbericht zeigt, dass Hydro mehrfach Geschäftsmöglichkeiten aus Rücksicht auf Offenheit und Integrität nicht weiterverfolgt hat.