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Dünner, stärker, sicherer: 100 Jahre Aluminiumfolie

Wenn Sie heute einen Joghurtdeckel aufreißen, eine Tablette aus dem Blister drücken, Apfelsaft aus dem Verbundkarton trinken oder Ihr Pausenbrot einwickeln, dann denken Sie ruhig einmal daran: Seit 100 Jahren gibt es Alufolie! Eine der nützlichsten Erfindungen, um zu schützen, was gut ist, feiert Jubiläum - und Grevenbroich ist heute ihre Hauptstadt.

Es begann schokoladensüß. Am 27. Oktober 1910 meldete der Schweizer Ingenieur Robert Victor Neher ein Patent für das kontinuierliche Walzverfahren an und errichtete das erste Aluminium-Folienwalzwerk in Kreuzlingen/Schweiz. Das Geschäft erblühte rasch, vor allem dank eines prominenten Großauftrags: Es galt, für die Firma Tobler in Bern ihre markanten Schokoladenriegel zu verpacken und somit das früher übliche Stanniol (Zinnfolie) zu ersetzen.

Warum ersetzte Alufolie rasch immer mehr andere Verpackungsstoffe, angefangen beim Stanniol? Weil es einen absoluten Barriereschutz gegen Licht und Luft, Flüssigkeiten und Gase gewährleistet – mit einem äußerst geringen Materialeinsatz. 

Als Hauptstadt des Aluminium-Folienwalzens gilt heute Grevenbroich, die 40.000-Einwohner-Stadt an der Erft unweit von Köln und Düsseldorf. Die heutige Walzsparte der Hydro fing dort an, als das 1922 gegründete Unternehmen „Rheinische Blattmetall“ in Grevenbroich einen Folienwalzbetrieb mit acht Maschinen 1923 aufnahm. Die maximale Lieferbreite betrug 32 Zentimeter; zuerst für Kondensatoren-, Kabel- und Isolationsfolie sowie Zigarettenfolie. Seit 1926 wird am Standort Alufolie auch mit Papier veredelt.

1928 wurde in Grevenbroich an bereits 42 Walzwerken produziert. Kontinuierlich entwickelten die Experten am Standort über die Jahrzehnte Werk und Anlagen, Abläufe und Steuerung, Anwendungsfelder und das Geschäft.

 Aus anfangs 150 Tonnen Folie Jahresproduktion wurden heute 120.000 Tonnen im Jahr. Und wurde früher mit 24 Metern pro Minute gewalzt, schaffen die Maschinen der Hydro heute nicht weniger als 2.500 Meter in der Minute – so ziemlich rund um die Uhr.

Daraus wuchs die herausragende Reputation von Grevenbroich in der Branche der Aluminiumwalzer, vor allem in der Folie. „Gemeinsam mit unseren Kunden schreiben wir diese Geschichte weiter fort – und machen die Folie immer noch etwas besser“, sagt der Leiter der Hydro-Geschäftseinheit Packaging & Building, Manfred Mertens.

Bis in die 1930er Jahre hinein eroberte Alufolie nach der Schokolade die Milchwirtschaft insgesamt. Haushaltsfolie wurde in den USA in den späten 1920er Jahren eingeführt, in Europa kam sie Mitte der 1930er Jahre auf den Markt. Diese beeindruckende Erfolgsgeschichte setzte sich bis zu Beginn des Zweiten Weltkrieges fort.

Das Kriegsende läutete eine spektakuläre Wachstumsphase ein, und das Walzwerk Grevenbroich begann zu exportieren, zum Beispiel Folie in die USA für Wrigley´s Kaugummi. 1948 wurden erstmals Alufolienbehälter für Backwaren und bald darauf für zahlreiche weitere Nahrungsmittel auf den Markt gebracht.

In den 1960er Jahren hatte sich die Alufolienproduktion bereits vervierfacht. Eine Reihe von technologischen Marksteinen führte zu weiteren Erfolgen im Verpackungsmarkt. Die Walzgeschwindigkeiten wuchsen rasant, das galt auch für die Walzbreite.

Weltneuheit: geschlossene, automatisierte Folienproduktion

Als Weltneuheit begann 1973 die Grevenbroicher Folien-Großanlage Serie 1 eine erstmals in sich geschlossene, automatisierte Produktion. 1987 wiederholte die Serie 2 das Prinzip noch größer und setzt so bis heute das Maß im Folienwalzen. „Im Walzprozess selbst entscheidet, damals wie heute, die optimale Balance von vier Parametern: Druck, Zug, Walzöl und Geschwindigkeit“, sagt Dr. Stefan Kästner, der das Werk Grevenbroich leitet.

1961 erhielt das Werk Grevenbroich den Erstauftrag – 200 kg für TetraPak – zu einer der wichtigsten Marktneuheiten überhaupt: eine mit damals 12 Mikrometern extra dünne aseptische Alufolie, damit H-Milch oder Saft im Getränkeverbundkarton über mehrere Monate frisch bleiben können. Bis 1988 wuchs die Liefermenge auf 15.000 Tonnen pro Jahr, heute ist es ein Vielfaches mehr.

1978 wurde der erste Aluminium/Kunststoffverbund für eine weltbekannte Brausetablette gegen Kopfschmerzen großseriell eingeführt. Ende der 1990er Jahre war Alufolie als innovatives Packmittel für fast alle denkbaren Anwendungen etabliert. „Folienversiegelt für frischen Geschmack“ lautet seither ein Standardspruch für viele Markenprodukte.

Und die Produktion hat sich seit Gründung des Europäischen Folienverbandes EAFA 1974 bis heute in den EAFA-Märkten nochmals mehr als verdoppelt. Weltweit werden jedes Jahr 3 Millionen Tonnen Aluminiumfolie verarbeitet, um Güter effizient zu umhüllen, abzudichten und zu schützen

Heute dient hauchdünne Folie im Verbund mit flexiblen Kunststofffolien als hocheffiziente Leichtverpackung, zum Beispiel Beutel, für alles von Arzneien über Getränken und Pulver bis hin zu Tierfutter.

Nur 1,5 Gramm Alufolie in einer Verpackung
mit 28 g Gesamtgewicht  schützen 1 Liter Milch
monatelang ohne extra Kühlung

Rund 75 % aller Alufolie dient zum Verpacken und im Haushalt, 25% werden industriell eingesetzt: für Wärmetauscher etwa im Automobil, zur Wärmedämmung von Gebäuden, Flugzeugen, als Kabelumhüllung sowie in der Elektronik.

Hydro walzt Folie immer dünner und effizienter und treibt dieses “Downgauging” weiter voran: mit seiner Forschung & Entwicklung in Bonn, dem größten industriellen Forschungszentrum für Aluminium in Deutschland. Das hat im Verbundkarton schon mehr als 40% Material eingespart – bei gleicher Leistungskraft und Produktsicherheit. Für Hydro beginnt echte Folie darum nicht schon bei 200 Mikrometer wie branchenüblich, sondern erst bei 60 Mikrometer; und 6 Mikrometer sind heute Standard.

Von Grevenbroich aus verbreitet sich die Exzellenz von Hydro im Walzen auch in die anderen Folienwalzwerke der Gruppe in Italien und Malaysia.

Das alles schützt die umhüllten Produkte vor dem Verderben, und dieser Service wächst weltweit an Bedeutung eingedenk der Tatsache, dass zum Beispiel immer noch ein Drittel aller erzeugten Lebensmittel ungenutzt weggeworfen werden.

Es dient auch der Umwelt

Zahlreiche Ökobilanz-Studien haben gezeigt: Beim Konsum von Nahrungsmitteln machen Alufolienverpackungen bezogen auf den gesamten Produktlebenszyklus deutlich weniger als zehn Prozent der Umweltwirkungen aus.

Aber indem sie mit so wenig Material den absoluten Barriereschutz liefern, helfen sie sowohl die Produktverluste als auch den Verpackungseinsatz zu verringern. Weniger Volumen und Gewicht vereinfacht die Handhabung im Groß- und Einzelhandel und entlastet den Transport. Wie in einem Domino-Effekt verringert dies den  Kraftstoffverbrauch oder die Energie für die Kühlung und die damit verbundenen Emissionen.

Aluminiumfolie in Verpackungen wird dank moderner Sortiertechniken gerade in Deutschland in wachsendem Maße verwertet oder recycelt. Sie ist Teil einer nachhaltig effizienten Kreislaufwirtschaft.

So wird Alufolie nicht nur schneller, dünner und immer breiter geliefert, sondern hilft in ihren Anwendungsformen auch immer noch effizienter - und hält dabei seit 100 Jahren dicht.