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Fernwärme aus Ofenhitze in Neuss spart CO2 - und Schornsteine

Seltenes Bild in Deutschland: Der ganze Neusser Vorort Allerheiligen-Süd ist ohne Schornstein. Alunorf sorgt dafür, indem es den Stadtteil mit der Abwärme seiner Schmelzöfen beliefert. Das beheizt 610 Häuser und 30 Gewerbebetriebe zum Niedrigpreis - und spart pro Jahr soviel CO2, wie wenn man 8.000 Personenwagen stilllegt. Nun wurde der Liefervertrag verlängert.

Alunorf, weltgrößtes Schmelz- und Walzwerk für Aluminium und zu 50% in Händen der Hydro, hatte seit 1994 eine Partnerschaft mit den Stadtwerken Neuss angebahnt. Mit Erfolg: Seit Februar 1999 strömt ununterbrochen Fernwärme von Alunorf in die Haushalte von Allerheiligen-Süd. Die dazu nötigen Investitionen, davon 35 Millionen Euro für die Abluftreinigung und Fernwärmeerstellung bei Alunorf, wurden seinerzeit ausdrücklich begrüßt und bezuschusst vom Land Nordrhein-Westfalen und vom Bundesumweltministerium, damals unter Leitung von Angela Merkel.

Das Netzwerk zum Beheizen des Vorortes im Süden der Stadt Neuss misst heute 14 Kilometer. Das Neubaugebiet wächst weiter, bald sollen weitere 350 Haushalte ans Netz gehen. Im Endausbau erspart dies jährlich soviel CO2, wie 8.000 Personenwagen emittieren. Die Anrainer können sich also entspannt wärmen eingedenk einer komfortablen und preisgünstigen, aber auch umweltfreundlichen und sauberen Heizung.

„Wenn ich all die Häuser ohne Schornsteine sehe, spiegelt das für mich unseren eigenen Eifer und unsere  Leistungen dabei, all unsere Ressourcen möglichst effizient zu nutzen“, sagte der kaufmännische Geschäftsführer von Alunorf, Thomas Geupel, als er Heinz Runde, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stadtwerke Neuss, traf, um den Vertrag zur Verlängerung zu unterzeichnen.

Zur Technologie: 1.300° C heiß ist die Abwärme, die aus den Alunorf-Schmelzöfen kommt – ein Betrieb, der 900.000 Tonnen Aluminium im Jahr einschmilzt, damit das weltgrößte Schmelzwerk für Aluminium ist. Diese Wärme wird abgeleitet und umgewandelt über ein zweifaches System von Wärmetauschern, die einen enormen Heißwasserkreislauf aufheizen. Damals war die Methode neu, heute hat sie viele Nachahmer in Deutschland und im Ausland gefunden.

Anfangs hatte es noch ein Problem gegeben: Die Öfen liefen nur in einer Fünftagewoche. Schon damit die Nachbarn am Wochenende nicht froren, stieg das Werk auf kontinuierlichen Betrieb um. Nicht der einzige Grund:„Heute ist es kein Thema, dass wir den Schichtbetrieb flexibel gestalten und so mithelfen, dass unsere Arbeitsplätze wettbewerbsfähig bleiben“, sagt Christian Funk, Leiter des Betriebsrates und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender von Alunorf.