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Aluschrott aus Grevenbroich wird Kunst in Bonn

Eigentlich sollten sie schon wieder Walzbarren sein, zur Fertigung neuer Folien für Joghurtdeckel, Tablettenblister oder Schokoladenverpackungen. Nun aber sind mehrere Tonnen Aluminium-Prozessschrott aus dem Hydro-Walzwerk Grevenbroich erst einmal – Kunst.

Für Heinz Mack, einen der wichtigsten deutschen Künstler seit den 60er Jahren, zeigt die Bundeskunsthalle Bonn seit einigen Tagen eine große Werkschau. Dafür wollte er eine Installation von 1976 erneut verwirklichen: eine Lichtwand, anzuschauen von einem Spiegeltunnel aus. Als Material suchte er Aluminium; saubere, gepresste, stapelbare Schrotte.

„Da haben wir gern versprochen zu helfen“, sagt Oliver Bell, der als Konzernvorstand der Hydro die Sparte Rolled Products von Grevenbroich aus leitet. Eine Lkw-Ladung mit Paletten voller Schrottpakete ging am 1. März nach Bonn. Während die Jecken Wieverfastelovend feierten, stapelten Logistiker von Schenker die gewünschte Aluminiumwand, Paket für Paket. Und seit dem 18. März ist die lichte Wand zu bewundern.

40 x 40 cm misst jedes Presspaket, gut 18 Kilogramm wiegt es, je nach Höhe und Dichte der Pressung. Hunderte davon bilden im Atrium der Bonner Bundeskunsthalle die 8 Meter lange, fast 3 Meter hohe Mauer. 

Daneben zeigt Mack, der auch ansonsten oft und gern mit Aluminium arbeitet, kinetische Objekte, Lichtspiele, die schon alla "Disco" glitzerten und flackerten, als es die Disco so noch gar nicht gab, auch Stelen und frühe Sahara-LandArt sowie reine Strukturbilder der frühen Jahre und jüngste, farbige Gemälde.

Wenn im Juli die Mack-Ausstellung „Licht – Raum – Farbe“ endet, haben die Grevenbroicher Schrottpakete ihren Dienst an der Kunst absolviert. Die Aluminiumpakete werden abgetragen, zurück transportiert, eingeschmolzen – und dürften im nächsten Lebenszyklus wieder in Verpackungen dafür sorgen, dass Nahrungsmittel und Arzneien länger haltbar sind. Immerhin bleiben zum Beispiel in Getränkekartons 900 Liter H-Milch oder Saft Monate lang ungekühlt frisch - dank nur 1 Kilogramm Aluminium.

„Für nur ein Leben, in einer Anwendung, bietet unser Metall zu viele Nutzungsvorteile und ist einfach zu wertvoll“, betont Hydro-Vorstand Bell, „indem wir es immer wieder recyceln, potenziert sich der positive Effekt für unsere Kunden, für die Nutzer – und für die Umwelt.“