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Hydro verkauft Automotive Structures an Benteler

Das deutsche Familienunternehmt Benteler unterzeichnete am Montagabend einen Vertrag über die Übernahme von Hydros Geschäft mit Stoßfängern und Crash Management Systemen. Automotive Structures mit etwa 1.200 Mitarbeitern wird voraussichtlich zum 31. Dezember dieses Jahres ein Teil des deutschen Automobilzulieferers, die Genehmigung durch die Wettbewerbsbehörden vorausgesetzt

„Wir sind sehr zufrieden, dass wir einen industriellen Käufer gefunden haben, der sowohl Ambitionen, Fachkenntnisse und finanzielle Muskeln einbringt, um Structures weiterzuentwickeln“, erklärt Konzernvorstand Johnny Undeli, der für das Geschäftsfeld Extruded Products verantwortlich ist. Er fügt hinzu, dass die Verhandlungen seit mehreren Monaten geführt wurden und dass die Mitarbeiter seit einiger Zeit wissen, dass ein Verkauf in Frage kommen kann.

Structures gehört zum Automotive-Sektor von Hydro und umfasst eine beträchtliche Tätigkeit in Raufoss in Norwegen sowie Werke in China, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Korea, Schweden, in der Tschechei und in den USA. Hydro ist ein führender Anbieter von Stoßfängern, fortschrittlichen Überrollbügeln und anderen Crash Management Systemen sowie von anderen Strukturbauteilen aus Aluminium für die Automobilindustrie. Auf der Kundenliste stehen die meisten führenden Autohersteller, unter anderem Audi, BMW, Ford, GM, Honda, Jaguar, Mercedes und Toyota.

Autoteile als Kerngeschäft

Konzernchef Svein Richard Brandtzæg unterstreicht, dass Structures nun einen Besitzer erhalte, bei dem Autoteile das Kerngeschäft ausmachten. In Hydro stand die Einheit für etwa zwei Prozent des gesamten Umsatzes. In der Benteler-Gruppe sind mehr als 70 Prozent des Geschäfts auf die Automobilindustrie ausgerichtet.

„Die Automobilhersteller interessieren sich in zunehmendem Maße für Lieferanten, die leichtere Systemlösungen, unabhängig von welchem Material, anbieten können. Das heißt, dass die Anbieter in der Lage sein sollten, Lösungen zu liefern, die neben Aluminium auch Materialien wie Stahl und Verbundwerkstoffe kombinieren. Das ist ein Bereich, der nicht zu unseren strategischen Zielsetzungen gehört“, so Brandtzæg.

75 Jahre im Automobilgeschäft

Die Benteler-Gruppe wurde vor über 130 Jahren gegründet und befindet sich noch immer in Familienbesitz, inzwischen in der vierten Generation. Es begann mit der Eröffnung eines Eisenwarenhandels durch Carl Benteler 1876, in den letzten 75 Jahren hat sich das Unternehmen zu einem der größten Zulieferer für die internationale Automobilindustrie entwickelt. Praktisch alle Autohersteller stehen auf der Kundenliste des Unternehmens. Vor der Übernahme des Stoßfängergeschäfts von Hydro beschäftigt Benteler 24.280 Mitarbeiter in 150 Anlagen in 35 Ländern. Der Umsatz belief sich 2008 auf gut sechs Milliarden Euro.

Bisher hat Benteler hauptsächlich Autoteile aus Stahl und teilweise aus Verbundwerkstoffen hergestellt und vertrieben. Nun möchte das Unternehmen seine Produktpalette mit Teilen aus Aluminium ergänzen – entsprechend der Nachfrage der Automobilindustrie nach leichteren und umweltverträglicheren Lösungen.

Wie füreinander geschaffen

„Die Übernahme von Structures sei eine gute Lösung für die strategischen Ambitionen von Benteler, stärker auf leichtere Autoteile aus Aluminium zu setzen“, so Undeli. „Sie haben das Automobilgeschäft von Hydro sehr gründlich analysiert und wir sind sicher, dass Benteler ein guter Besitzer sein wird, der die äußerst kompetente Organisation weiterentwickeln wird. Ich glaube, das Unternehmen verfügt über genügend Stärke, um das Geschäft noch attraktiver und auf längere Sicht rentabel zu machen“, meint Undeli.

Hydro hat bereits früher den Verkauf seines Automobilgeschäfts erwogen, aber keinen zahlungsfähigen Käufer, der eine zufriedenstellende industrielle Lösung anbieten konnte, gefunden.

Guter Trend

„Wir haben in den letzten Monaten eine beträchtliche Verschlankung und Umorganisierung des Automobilgeschäfts vorgenommen.

Das hat trotz des wirtschaftlichen Abschwungs zu einer Besserung der finanziellen Ergebnisse beigetragen. Dies zeigt sich auch deutlich in den Ergebnissen für das dritte Quartal, die heute präsentiert werden. Nachdem wir dieses Geschäft jahrelang ohne zufriedenstellende wirtschaftliche Ergebnisse betrieben haben, fühlen wir uns sicher, dass ein neuer Besitzer, der überwiegend die Automobilindustrie beliefert, das notwendige Automobilbezogene Fachwissen einbringt, um eine höhere Rentabilität und Schlagkraft zu erzielen“, so Johnny Undeli.

Sowohl er wie auch Svein Richard Brandtzæg heben die konstruktive Zusammenarbeit mit den Mitgliedervertretern während dieses Prozesses hervor. Außerdem sind sie sehr froh darüber, dass sich die Ergebnisse von Structures in den letzten Monaten markant verbessert haben.

Das ist das Ergebnis der außergewöhnlichen Anstrengungen von allen Mitarbeitergruppen in einer sehr schwierigen Marktsituation. Und es ist ein guter Ausgangspunkt, wenn das Geschäft nun in gut zwei Monaten einen neuen Besitzer bekommt. Zunächst muss jedoch die Transaktion von den Wettbewerbsbehörden genehmigt werden.

Weiterhin bedeutend bei Autoteilen

Brandtzæg unterstreicht, dass Hydro auch nach diesem Verkauf ein wichtiger Lieferant von Aluminium sowie von Walz- und Strangpresserzeugnissen an die Automobil- und Transportindustrie bleibe, aber dass das Unternehmen von nun ab in geringerem Maße Teile direkt für die Fließbänder der Autohersteller liefern werde.

„Autos und Transport sind weiterhin ein zentraler Wachstumsbereich für uns“, so Brandtzæg.