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Rheinwerk Neuss: "Hoffen auf Fortschritt"

Der weitere Betrieb der größten deutschen Aluminiumhütte, des Rheinwerks von Hydro in Neuss, ist weiterhin akut bedroht.

„Wir brauchen jetzt dringend eine enge Kooperation mit der Politik und der Stromwirtschaft, um den Besonderheiten der energieintensiven Industrie so gerecht zu werden, wie es in Italien, Frankreich und Spanien längst die Regel ist“, sagt Irmtraud Pawlik, Sprecherin der Geschäftsführung der Hydro Aluminium Deutschland GmbH.

Was Hydro nicht bieten könne, seien Angebote aus dem Energiesektor. „Öl und Gas aus Norwegen waren vor einigen Jahren für Energiekonzerne interessant als Basis möglicher Tauschgeschäfte, aber seit Oktober 2007 gehört diese Sparte gar nicht mehr zu uns“, so Pawlik.

„Wir sind ein reiner Aluminiumkonzern. Unsere Energieabteilung betreibt 17 Wasserkraftwerke mit etwa 9 Terawattstunden (TWh) Erzeugung, die aber schon den Bedarf unserer norwegischen Betriebe mit rund 16 TWh nicht decken können. Daher müssen wir hier wie dort Strom zukaufen“, sagt die Hydro-Geschäftsführerin.

Nothilfe für das Stromnetz

Was Hydro mit seiner deutschen Hütte allerdings zu bieten hat, ist nicht nur ein Großkunde, der Versorgern das Kundenmanagement für Hunderttausende private Nutzer erspart, sondern insbesondere eine Art Regelkraftwerk zum An- und Ausschalten, je nach Bedarf des deutschen Stromnetzes.

Pawlik: „Wir können binnen Sekunden über mehrere Stunden vom Netz gehen, wenn es zum Beispiel an Wind- und Sonnenstrom mangelt – quasi ein allzeit bereiter An- und Ausknopf, mit dem Sie ganz Düsseldorf samt Industrie an- und abschalten können.“ Für dieses konkrete Angebot zur Flexibilisierung gestresster Stromnetze erhofft sich Hydro, dass diese außerordentliche Option angemessen von Strompartnern eingerechnet wird.

Entlastung indirekter CO2-Kosten

Politisch geht es um die von der EU ab 2013 nahegelegte Entlastung energieintensiver Betriebe von den indirekten, über die Stromrechnung eingepreisten CO2-Zertifikatkosten. „Italien, Frankreich und Spanien haben ihre entsprechenden Sondertarife schon seit Jahren, diese Tarife wurden erst vor kurzem verlängert“, sagt Irmtraud Pawlik.

Es sei zu begrüßen, dass das Bundeswirtschaftsministerium diese Diskriminierung der deutschen Hütten kurzfristig beenden wolle. „Denn bisher zahlen wir an die Stromversorger pro Jahr mehr als 30 Millionen Euro allein für diese indirekten CO2-Preisanteile, und das stößt unsere Hütte in der akuten Weltwirtschaftskrise vollends ins Minus“, so die Hydro-Managerin. 

Für die Produktionsjahre 2006 bis 2009 beträgt die Kostenlast über eingepreiste CO2-Zertifikate sogar rund 250 Milliarden Euro.

Hydro begrüßt Offenheit von RWE

Pawlik weiter: „Wir würden es begrüßen, wenn RWE an unsere gute Zusammenarbeit früherer Jahrzehnte anknüpft und wir gemeinsam die früher von beiden Seiten vorgelegten Skizzen für Bezugsmodelle nun rasch zu einer konkreten Vertragsvorlage weiter entwickeln.“

Hydro wird seine Geschäftszahlen für 2008 am 19. Februar veröffentlichen und meldete mehrmals, wie seine Betriebe der Weltwirtschaftskrise begegnen.

Im Rheinwerk Neuss ist bis Ende Januar die Abschaltung von 30.000 Tonnen Jahreskapazität vollendet. Dann erzeugt Hydro in Neuss, eine der technologisch effizientesten und saubersten Aluminiumhütten Europas, 200.000 Tonnen neues Metall im Jahr.

„Doch wir stehen in entscheidenden Wochen: zu klären, inwieweit wir die zurzeit horrenden Verluste eindämmen und eine erneuerte, bessere Perspektive für das Rheinwerk gewinnen können", sagt Irmtraud Pawlik: „Allein kann Hydro das nicht. Wir brauchen Kooperation.“